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Fast ein Drittel nahe Schutzgebieten: Neue Zahlen für 75 Länder (2000–2020)

2020 lebten in 75 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rund 61 Millionen Menschen innerhalb von Schutzgebieten und insgesamt etwa 732 Millionen in oder bis 10 Kilometer von deren Grenzen entfernt. Gegenüber 2000 haben sich beide Werte deutlich erhöht.

Europas Wälder Biomasseverlust seit 2018
Bild: Wald und Natur · Climate-Academy.org · PHOTRA-Netzwerk · Climate-Academy.org Archiv

2020 lebten in 75 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rund 61 Millionen Menschen innerhalb von Schutzgebieten und insgesamt etwa 732 Millionen in oder bis 10 Kilometer von deren Grenzen entfernt. Gegenüber 2000 haben sich beide Werte deutlich erhöht.

In 75 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen lebten 2020 rund 61 Millionen Menschen (2,5 Prozent) innerhalb von Schutzgebieten. Zählt man die Bevölkerung in einem 10‑Kilometer‑Umfeld hinzu, steigt die Zahl auf etwa 732 Millionen Menschen (29,5 Prozent). Im Jahr 2000 lagen die Vergleichswerte deutlich niedriger: etwa 19 Millionen (1,1 Prozent) innerhalb und 258 Millionen (15,4 Prozent) in oder bis 10 Kilometer von Schutzgebieten. Bezugsgröße sind rund 2,48 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner in den untersuchten Ländern.

Datenbasis und Vorgehen

Die Auswertung verknüpft die World Database on Protected Areas (WDPA) mit global harmonisierten Raster‑Bevölkerungsdaten (GHSL). Ein zweiter Datensatz (WorldPop) diente als Robustheitscheck und bestätigte die Größenordnungen. Berücksichtigt wurden 75 Entwicklungs‑ und Schwellenländer; Indien blieb außen vor, weil nationale Schutzgebietsangaben in der internationalen Datenbank unvollständig sind. Rasterdaten verteilen Bevölkerungszahlen auf kleine Flächenzellen und verringern damit Verzerrungen, die bei rein administrativen Abgrenzungen entstehen.

Unterschiede nach Schutzkategorie

Die IUCN unterscheidet strikte Schutzkategorien (I–III) und weniger restriktive Modelle (IV–VI). Fast 59 Prozent der ausgewiesenen Flächen sind in der Datenbank jedoch ohne IUCN‑Kategorie, was Vergleiche einschränkt. Dort, wo Kategorien vorliegen, leben die meisten Menschen in der Nähe weniger strikter Schutzgebiete (IV–VI) – vor allem, weil diese zahlreicher sind und größere Flächen einnehmen als streng geschützte Gebiete.

Treiber des Anstiegs

– Bevölkerungswachstum in vielen Ländern – Flächenzunahme ausgewiesener Schutzgebiete – Verbesserte Kartierung und harmonisierte Datensätze für Grenzen und Bevölkerungsverteilung

Relevanz für Naturschutz und Klima

Die Nähe großer Bevölkerungsgruppen zu Schutzgebieten wirkt auf Biodiversität und Ökosystemintegrität – etwa über Weidewirtschaft, Feuer, kleinräumige Rodungen oder Jagd. Gleichzeitig können angrenzende Gemeinden Schutz unterstützen: durch Überwachung, nachhaltige Nutzung, lokales Wissen und angepasste Praktiken. Für den Klimaschutz ist die Nähe relevant, weil Schutzgebiete häufig kohlenstoffreiche Ökosysteme wie Wälder, Moore und Savannen bewahren. Je mehr Menschen unmittelbar benachbart sind, desto wichtiger werden sozial eingebettete Maßnahmen: Einkommensalternativen, faire Beteiligung und Ausgleich für Nutzungseinschränkungen.

Implikationen für Forschung und Evaluation

Wirkungsanalysen definieren „lokale Bevölkerung“ oft über Distanzpuffer. Die hier ausgewiesenen Größenordnungen zeigen, wie entscheidend eine klare Quantifizierung dieser Referenzgruppen ist: Studien, die nur wenige Dörfer betrachten, bilden die tatsächliche Betroffenheit häufig nicht ab. Zugleich beeinflusst die Wahl des Pufferabstands – hier 10 Kilometer – die Ergebnisse und damit die Ableitung von Politikempfehlungen.

Datenlücken und Unsicherheiten

– Fehlende Erfassung Indiens mindert die Repräsentativität – In vielen Fällen keine IUCN‑Kategorie hinterlegt – Unsicherheiten in Rasterbevölkerungsdaten, besonders in dünn besiedelten oder informellen Räumen – Der 10‑Kilometer‑Puffer ist nützlich, aber normativ; andere Distanzen würden andere Zahlen liefern

Konsequenzen für Politik und Praxis

Priorität haben vollständigere, offene Schutzgebietsdaten mit konsistenten Grenzen und Managementkategorien. Schutzplanung sollte Bevölkerungsstruktur und ‑dynamik systematisch berücksichtigen – etwa über Bedürfnisanalysen und Beteiligungsprozesse. Finanzierungsinstrumente im Naturschutz müssen soziale Risiken mindern und zugleich langfristige Klimaleistungen honorieren. Für Evaluationsstudien gilt: räumliche Bezüge und demografische Skalen müssen transparent ausgewiesen werden.

Die Analyse liefert eine robuste Größenordnung zur Zahl der Menschen, die in oder nahe Schutzgebieten leben. Sie macht deutlich, dass wirksamer Naturschutz und soziale Fragen untrennbar verbunden sind – und dass bessere Daten die Grundlage für faire, wirksame und klimaresiliente Schutzstrategien bilden.

Climate Academy Redaktion · Artikel mit KI-Unterstützung
Originalquelle

Environmental Research Letters

Die Originalquelle ermöglicht die Prüfung des Ausgangsmaterials und möglicher Aktualisierungen.

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