Rom – Auf einer von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Weltklimarat (IPCC) ausgerichteten Expertentagung beraten Wissenschaft, Praxis und Politik über Klimarisiken für Landwirtschaft und Ernährungssysteme. Ziel ist es, aktuelle Befunde so aufzubereiten, dass Regierungen und Institutionen wirksame, gerechte Strategien für Anpassung und Minderung entwickeln können.
Ausgangslage
Landwirtschaft und Nahrungsversorgung stehen bereits unter hohem Druck. Zunehmende Hitzeextreme, veränderte Niederschlagsmuster, längere Dürrephasen sowie neue Schädlings- und Krankheitsrisiken verändern Erträge und Produktionsbedingungen. Die Folgen sind regional sehr unterschiedlich: Tropische und subtropische Regionen, tiefe Lagen und Küstengebiete gelten als besonders verwundbar, während gemäßigte Zonen vor anderen, teils komplexen Herausforderungen stehen.
Belastungen für Land- und Ernährungssysteme
Direkte Klimaeffekte mindern Erträge; Wasserknappheit und degradierte Böden untergraben die Produktionssicherheit. Extreme Wetterereignisse zerstören Felder, Infrastruktur und Lagerkapazitäten. Indirekte Folgen zeigen sich in Preisen, Handel und Ernährungssicherheit: Ertragsrückgänge in einer Region können Importe verteuern und das Hunger- und Armutsrisiko sozial schwächerer Gruppen erhöhen.
Besonders betroffen: Kleinbetriebe
Kleinbäuerinnen und -bauern tragen überproportional viel Risiko. Häufig fehlen Zugang zu Krediten, Beratung, Technik und Wetterinformationen. Geschlechterungleichheiten verschärfen die Lage, etwa durch eingeschränkte Landrechte und geringere Entscheidungsmacht von Frauen. Das birgt humanitäre und strategische Risiken für Ernährungssicherheit und soziale Stabilität.
Handlungsoptionen zur Anpassung
Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die kurzfristige Ertragsverluste abfedern und langfristig Resilienz stärken: Sortenvielfalt und dürretolerante Kulturen, effizientere Bewässerung, verbesserte Bodenpflege sowie Agroforstsysteme. Frühwarnsysteme, bessere Lagerung und erweiterte Versicherungslösungen verringern Verluste nach Extremereignissen.
Naturbasierte Lösungen
Agroforstwirtschaft, Weidemanagement und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten verbessern Wasserhaushalt, speichern Kohlenstoff und fördern Biodiversität. Diese Ansätze verbinden Anpassung und Klimaschutz – vorausgesetzt, sie werden kontextsensitiv geplant und lokal verankert.
Minderung von Emissionen
Zur Reduktion landwirtschaftlicher Treibhausgase werden Maßnahmen gegen Methanemissionen aus Viehhaltung und Nassreisanbau diskutiert, darunter Fütterungsanpassungen, verbesserte Haltungspraktiken und veränderte Reisbewässerung. Präzisere Düngung und gezieltes Bodenmanagement senken Lachgasemissionen und stärken zugleich die Bodenfruchtbarkeit.
Synergien und Zielkonflikte
Viele Lösungen erzeugen Mehrfachnutzen, dennoch bleiben Zielkonflikte. Ertragssteigerung kann Flächenkonversion mindern, aber Biodiversität und Böden belasten, wenn sie falsch gesteuert wird. Kurzfristige Maximierung ohne Klimavorsorge erhöht das Risiko langfristiger Schäden. Gefordert sind integrierte Strategien, die naturbasierte Praktiken, technologische Innovation und politische Anreize verbinden und lokale Maßnahmen mit nationalen Klima- und Ernährungsstrategien verknüpfen.
Beteiligung und Wissenstransfer
Wirksame Umsetzung gelingt nur mit Beteiligung der Betroffenen. Bauernorganisationen, indigene Gemeinschaften und Frauenverbände bringen unverzichtbares Erfahrungswissen ein, das Modelle und Leitlinien ergänzt und Maßnahmen robuster gegenüber Unsicherheiten macht.
Daten und Monitoring
Für präzise Steuerung fehlen teils regionale Klimamodelle, standortspezifische Ernteprognosen und vollständige Emissionsinventare. Benötigt werden bessere Monitoring-Systeme und verknüpfte Datenplattformen, um lokale Entscheidungen zu stützen und politische Programme belastbar zu evaluieren.
Finanzierung und gerechte Übergänge
Viele Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen sind anfangs kostenintensiv – vor allem für kleine Betriebe. Öffentliche Förderung, zielgerichtete Kredite, Versicherungssysteme und private Investitionen sollen so gestaltet sein, dass besonders vulnerable Gruppen profitieren. Gerechte Übergänge erfordern flankierende Politik: Schulungen, Zugang zu Saatgut, technische Assistenz und soziale Sicherungsnetze.
Umsetzung in die Praxis
Die Teilnehmenden erarbeiten praxisnahe Empfehlungen für Regierungen, internationale Organisationen und Zivilgesellschaft. Im Vordergrund stehen Prinzipien statt Patentrezepte: lokale Anpassung, sektorübergreifende Planung, Einbeziehung vulnerabler Gruppen, belastbares Monitoring und tragfähige Finanzierungspfade. Viele Lösungen liegen vor – entscheidend ist ihre zügige, gerechte und kontextsensible Umsetzung.
IPCC
Die Originalquelle ermöglicht die Prüfung des Ausgangsmaterials und möglicher Aktualisierungen.
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